Logo von bidok: Behinderung, Inklusion, Dokumentation

Das Bild zeigt ein großes Bücherregal aus Holz mit vielen bunten Büchern. Die Bücher stehen ordentlich nebeneinander wie in einer Bibliothek.
"Büchersammlung von bidok"; Bildrechte: © bidok 2026

bidok Newsletter Mai 2026

Liebe Leser:innen des bidok Newsletter!

Liebe:r Interessierte:r!

bidok meldet sich mit einem Newsletter zurück. In den nächsten Wochen informieren wir über die nächsten Schritte und den Fortbestand von bidok. Wir bitten um Verständnis, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht mehr dazu sagen können.

1. Neues aus der bidokbib

Im letzten Quartal 2025 wurden folgende Texte neu in die bidokbib aufgespielt. Alle sind barrierefrei gestaltet und offen zugänglich (Open Access). Das PDF/UA-Format der Texte hilft dabei, sie für möglichst viele Menschen zugänglich zu machen.
Logo der bidokbib, der barrierefreien digitalen Bibliothek von bidok.
Hinweise: Bei den Texten handelt es sich sowohl um Neu-Aufnahmen, als auch um Übersiedlungen aus der alten digitalen Bibliothek von bidok.

bidok
freut sich über die Einreichung von wissenschaftlichen, aber auch nicht-wissenschaftlichen Texten zu den Themen Behinderung und Inklusion. Reichen Sie Ihren selbst verfassten Text als Erst- oder Wieder-Veröffentlichung bei bidok ein! Schreiben Sie uns eine E-Mail!

2. bidok trauert um Christian Mürner

Portrait von Christian Mürner. Er trägt eine Brille und sieht zur Seite.
Christian Mürner, 2006; Bildrechte: Volker Schönwiese

Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Christian Mürner, der am 19. April 2026 verstorben ist. Der Schweizer Autor und Behindertenpädagoge setzte sich über viele Jahrzehnte intensiv mit den Themen Behinderung, Inklusion, Ethik, Kultur und Gesellschaft auseinander.

Christian Mürner wirkte als Lehrer, Wissenschaftler, Vortragender und freier Autor. Er lehrte unter anderem in Hamburg, Zürich und Innsbruck und veröffentlichte zahlreiche Bücher und Beiträge zur Behindertenpädagogik und Inklusion. Seine Arbeiten verbanden wissenschaftliche Genauigkeit mit einem besonderen Blick auf Alltag, Sprache, Kunst und Menschlichkeit.

Mit seinem Engagement prägte er den inklusiven Diskurs im deutschsprachigen Raum nachhaltig und regte viele Menschen zum Nachdenken an. Seit den 1970er-Jahren lebte er in Hamburg.

bidok schätzt sich glücklich, einige Texte von Christian Mürner in der bidokbib veröffentlicht zu haben – darunter auch einen erst kürzlich gemeinsam mit Volker Schönwiese erschienenen Beitrag:

3. bidok trauert um Peter Dimmel

bidok trauert um Peter Dimmel, der am 5. Mai 2026 im 98. Lebensjahr verstorben ist.

Er war eine prägende Persönlichkeit der Gehörlosen-Bewegung in Österreich und langjähriger Interessen-Vertreter gehörloser Menschen. Neben seinem gesellschaftlichen Engagement war Peter Dimmel auch als Künstler tätig und schuf viele beeindruckende Werke.

Auf dem Bild ist das Severinstor, ein Eingang in die St. Laurenz-Basilika in Enns in Oberösterreich. Das metallene Tor ist mit vielen künstlerischen Facetten ausgestaltet.
"Severinstor von Peter Dimmel (1971)"; Bildrechte: CC BY-SA 3.0 (Wolfgang Sauber)

Über viele Jahrzehnte setzte er sich mit großem Engagement für die Österreichische Gebärdensprache, für Gleichstellung und für mehr Sichtbarkeit gehörloser Menschen ein. Sein Einsatz hat die Gehörlosen-Community in Österreich nachhaltig geprägt und vielen Menschen neue Wege eröffnet.

Mit Peter Dimmel verlieren wir einen engagierten Menschen, der mit Beharrlichkeit, Menschlichkeit und Überzeugung viel bewegt hat. Sein Lebenswerk bleibt in Erinnerung und sichtbar im öffentlichen Raum.

4. bidok Autor:innen, Ausgabe 14: Hans von Lüpke

In unserem Newsletter stellen wir Autor:innen der bidokbib vor. Bislang haben wir Georg Feuser, Swantje Köbsell, Peter Rödler, Ottmar Miles-Paul, Ines Boban, Andreas Hinz, Wolfgang Jantzen, Ernst Berger, Petra Flieger, Ewald Feyerer, Sonja Abend, Manfred W. K. Fischer, Jutta Schöler und Rebecca Maskos präsentiert.

Das Autor:innen-Portrait in diesem Newsletter widmen wir Hans von Lüpke. Aktuell sind 10 seiner Texte "Open Access" und digital barrierefrei in der bidokbib verfügbar.
Hans von Lüpke
Hans von Lüpke wird 1937 in Berlin (Deutschland) geboren.

Er ist deutscher Kinderarzt und Psycho-Therapeut und arbeitet ab 1990 in eigener Praxis. Nach seinem Medizin-Studium war er viele Jahre als niedergelassener Kinderarzt tätig und beschäftigte sich intensiv mit der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.

Darüber hinaus war er Lehrbeauftragter an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und hatte auch Lehrtätigkeiten an weiteren Hochschulen, unter anderem in Mainz, Erfurt und Innsbruck.

Von Lüpke arbeitete als Supervisor, unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Sigmund-Freud-Institut Frankfurt am Main im Projekt „Starthilfe“. In seinen Veröffentlichungen, Vorträgen und Seminaren beschäftigt er sich mit Entwicklungs- und Therapiekonzepten. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den Wechselwirkungen zwischen körperlichen (organischen), psychischen und sozialen Faktoren in der Entwicklung von Menschen über die gesamte Lebensspanne.

Seine Arbeiten sind für das Feld von Inklusion und Behinderung wichtig, weil er Entwicklung nicht nur medizinisch betrachtet, sondern immer auch die psychischen und sozialen Bedingungen einbezieht. Er zeigt, wie Diagnosen, Umwelt und Beziehungen die Lebenswege von Menschen mit Behinderungen mitprägen. Diese ganzheitliche Sicht unterstützt ein inklusives Verständnis, das den Menschen in seinem Lebens-Umfeld in den Mittelpunkt stellt.

In der bidokbib sind 10 Texte von Hans von Lüpke frei zugänglich. Seine Beiträge befassen sich unter anderem mit Fragen der Entwicklung, Gesundheit und psychischen Begleitung von Menschen.
Texte von Hans von Lüpke in der bidokbib:

5. Bericht von der 39. IFO-Jahrestagung in Bremen

bidok bedankt sich bei Johanna Burk für ihren Bericht!
Die Bronze-Statue der 4 Bremer Stadtmusikanten in der Bremer Altstadt als Symbolbild für die IFO 2026: Ein Esel, darauf stehend ein Hund, darauf eine Katze und ein Gockel.
"Bremer Stadtmusikanten"; Bildrechte: CC BY-SA 4.0 (Dietmar Rabich)

Die 39. Tagung für Inklusions-Forschung (IFO) fand vom 18.-20. Februar 2026 an der Universität Bremen statt.

Etwa 430 Menschen tauschten sich dort über das Thema „Forschung – Haltung – Aktivismus. Inklusionsforschung zwischen Bildungsutopie und Systemkonformität aus. Relativ schnell wurde klar: Ohne Haltung geht es nicht, wenn man sich mit Inklusion beschäftigt. Forschung ohne Aktivismus und politisches Handeln bleibt in vielen Bereichen wirkungslos. In einer Keynote (Hauptvortrag) wurde Forschung als „Vehikel zu Aktivismus“ (Gertraud Kremsner) beschrieben. Forschung stehe im Dienst der Gesellschaft – nicht nur, um Wissen zu produzieren, sondern auch, um Veränderung zu ermöglichen (Phillip Neumann). Durch partizipative Forschung kann Erkenntnis gemeinsam hervorgebracht werden.

Besonders beim gemeinsamen Austausch der deutschsprachigen Disability Studies mit bidok am Mittwochabend (18.02.26), aber auch in anderen Vorträgen und Diskussionen, wurde auf die schwierige finanzielle Situation hingewiesen. In einem Panel mit Anne-Dore Stein, Karin Mannewitz und Stefan Schuster wurde dazu aufgerufen, dass sich Inklusions-Forscher:innen als Teil des Ganzen verstehen und politisch werden. Dabei geht es auch darum, „Widersprüche auszuhalten, ohne den Widerstand aufzugeben“ (Anne-Dore Stein). Solidarität schmälert nicht die Wissenschaftlichkeit. Vielmehr braucht es Solidarität, um strukturelle Veränderungen anzustoßen.

Es wurden kritische Fragen gestellt: Warum kommen wissenschaftliche Erkenntnisse nicht oder nur wenig in der Gesellschaft, in der Öffentlichkeit und in der Politik an? Sind Inklusions-Forscher:innen aktuell zu leise? Zu vorsichtig? Wird wirklich mit Vertreter:innen, mit Menschen mit Behinderung gesprochen und gemeinsam geforscht?

In einem weiteren Panel wurde festgehalten, was helfen kann, damit nicht einfach alles so bleibt, wie es ist: Forscher:innen müssen sich selbst reflektieren und kritisch denken. Eine Eltern-Vertreterin und Journalistin hielt in einer Diskussions-Runde fest: Forschung muss näher an den Menschen kommen. In Schulen zum Beispiel braucht es eine inklusive Klassenkultur. Das beginnt schon bei der Art und Weise, wie wir miteinander sprechen und einander begegnen (Hadija Haruna-Oelker). Eine Schüler:innen-Vertreterin machte in ihrem Vortrag deutlich: Es braucht eine inklusive Haltung an Schulen. Das heißt, Vielfalt als Bereicherung zu sehen – und nicht als Belastung (Janne Schmidmann).

Inklusions-Forschung ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Forscher:innen tragen damit Verantwortung für das gemeinsame Zusammenleben (Stein/Mannewitz). An den Universitäten können Studierende zu eigenem, kritischerem Denken angeregt werden. So können mehr Menschen schwierige Verhältnisse hinterfragen und nicht einfach hinnehmen (Stefan Schuster).

Viel Wissen darüber, wie wir inklusiver leben können, ist bereits vorhanden – es muss sich jedoch gegen aktuellen Populismus und Spar-Maßnahmen behaupten. Um politisch etwas zu erreichen, braucht es Begegnung und gemeinsames Handeln. Das braucht es innerhalb der Fach-Disziplinen, aber auch interdisziplinär – über die Grenzen der Fächer hinweg. Die IFO 2026 hat dafür eine wichtige Plattform geboten und Impulse gesetzt, Forschung, Haltung und Aktivismus wieder stärker zusammenzudenken, sich zu vernetzen und ins Handeln zu kommen.

Links:
Die 40. Jahrestagung für Inklusions-Forschung findet vom 10. bis zum 12. Februar 2027 an der Pädagogischen Hochschule Salzburg statt. Der Titel der IFO 2027 lautet "Generation Inklusion? Eine Arbeitstagung".

6. Bericht: Mitglieder-Versammlung von bidok Deutschland bei der IFO

bidok bedankt sich bei Prof.in Lisa Pfahl für ihren Bericht!
Auch dieses Jahr wurde auf der Tagung für Inklusions-Forschung (IFO) die Mitglieder-Versammlung von bidok Deutschland abgehalten.

bidok Deutschland ist der Schwester-Verein von bidok Österreich. Der Verein wurde 2004 zur Unterstützung von bidok Österreich gegründet. Er orientiert sich, wie bidok Österreich, an den Prinzipien der Zugänglichkeit für alle und betreibt die Zeitschrift für Inklusion. Die wissenschaftliche Zeitschrift ist kostenlos und die Texte können weitestgehend barrierefrei auf der Internet-Seite von Inklusion online gelesen werden.
Logo der Zeitschrift für Inklusion-online
"Logo der Zeitschrift für Inklusion-online"; Bildrechte: Zeitschrift für Inklusion-online
In diesem Jahr hat bidok Deutschland dazu eingeladen, dass sich alle Zentren für Disability Studies treffen und von ihren Problemen und Plänen berichten. Das Jahr 2025 war kein gutes Jahr für die Disability Studies im deutschsprachigen Raum. Es gibt große Herausforderungen und wenig politische und finanzielle Unterstützung.

In Hamburg wurde das Zentrum für Disability Studies (ZeDiS) geschlossen. Das ZeDiS hat Lehrveranstaltungen und Ringvorlesungen an der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit organisiert. Die Verträge mit den beteiligten Akteur:innen wurden nicht verlängert. Als Ersatz will die Politik sogenannte "Bildungsfachkräfte" an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften ausbilden lassen. Das ZeDis sagt, diese Bildungsfachkräfte seien nicht dasselbe wie Disability Studies. Sie kämpfen um ihren Erhalt.

In Köln gab es bis 2024 die erste Professur für Disability Studies in Deutschland. Sie hat viele Grundlagen erarbeitet und war mit der internationalen Forschungsstelle Disability Studies (iDiS) sichtbar. Nachdem die Professorin Anne Waldschmidt in den Ruhestand gegangen ist, wird das Department für Heilpädagogik diese Stelle kürzen und nicht wiederbesetzen. Das ist ein großer Verlust für die Forschung in den Disability Studies.

In Bochum wurde 2015 das Bochumer Zentrum für Disability Studies (BODYS) an der Evangelischen Hochschule (EvH) gegründet. Die Gründerin und bekannte Menschenrechts-Juristin, Theresia Degener, ist im Ruhestand. BODYS ist jetzt Teil der EvH und wird von Kathrin Römisch und Stefan Schache geleitet. Das Zentrum muss sich neu finden. Es hat eine Stelle und ist von Kooperationen und Dritt-Mitteln für Forschungs-Projekte abhängig.

bidok Deutschland ist als Verein nicht von einer Hochschule oder Universität abhängig und damit nicht von den negativen Entwicklungen betroffen. Sie freuen sich - wie die anderen Vereine - über neue Fördermitglieder!
Links zu den Internet-Auftritten:

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